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Telesur: Terroristen-TV

Leitartikel von | Investors.com

Montag, 25. Juli 2005 | Medien: Telesur, das neue südamerikanische Fernsehnetzwerk von Hugo Chávez, geht dieser Tage auf Sendung und wird als panamerikanische Alternative zu CNN dargestellt. Vernünftige Menschen, die Chávez kennen, fürchten eine Propaganda-Maschinerie. Es ist aber noch viel schlimmer.

Vor seiner ersten Sendung am Sonntag veröffentlichte Telesur einen grausigen Nachrichten-Clip mit Manuel „Tirofijo" („Sicherer Schuss") Marulanda in der Hauptrolle, einem der düstersten Narkoterroristen der Hemisphäre. Dieser professionelle Killer ist Anführer der marxistischen FARC-Guerilla, die über etwa 13.000 Mitglieder verfügt und Kolumbien seit 40 Jahren terrorisiert.

Während Tirofijo sich vor den Telesur-Kameras aufplusterte, rechtfertigten Telesur-Mitarbeiter die kostenlose Werbung für ihn durch seinen vermeintlichen Nachrichtenwert. „Denken die Menschen, dass Tirofijo nicht existiert?" fragte Generaldirektor Aram Aharonian, ein uruguayischer Marxist.

Kolumbianer durchschauten das unreife Spiel. „Für Kolumbien war es sehr schmerzhaft zu sehen, dass Telesur aus den 44 Millionen anständigen Kolumbianern ausgerechnet Tirofijo für seine ersten zwei Sendesekunden ausgewählt hat," sagte der Vize-Außenminister von Kolumbien gegenüber Chávez.

Das demokratische Kolumbien gewinnt seinen Krieg gegen den Terror; seine Wirtschaft wuchs 2004 um 6%. Gescheiterte Narkoterroristen wie Tirofijo so prominent als die „wahre" Geschichte Kolumbiens darzustellen ist ein Klischee.

Eine Nachricht ist es nicht. Es ist eine Warnung, dass dieses $6 Millionen-Netzwerk eine elektronische Plattform für Terroristen sein wird, durch die sie Demokratien einschüchtern können. Alle Terroristen leben von der Publicity.

Telesur zielt darauf ab, der FARC – die wie Al-Qaida echte Journalisten entführt und tötet – einen neuen Auftrieb zu bescheren. Der U.S.-amerikanische Kongressabgeordnete Connie Mack warnt davor, dass Telesur „Al-Dschasira nachbildet, um (Chávez') antiamerikanische, antifreiheitliche Rhetorik zu verbreiten."

Das wäre nicht überraschend. Der Sender gehört mehrheitlich der Chávez-Regierung und sein Präsident, Andrés Izarra, ist Chávez' Informationsminister. Telesur teilt seine Büros mit dem staatlichen venezolanischen Sender. Seine Mitarbeiter wurden beobachtet, wie sie FARC-T-Shirts trugen. Und seine Minderheitsteilhaber sind die linksgerichteten Regierungen von Kuba, Argentinien und Uruguay.

In Lateinamerika mangelt es aber nicht an Nachrichtensendern. Entgegen den Behauptungen von Telesur berichtet CNN En Español ausführlich über lateinamerikanische Angelegenheiten. Seine Berichterstattung über Bolivien erhielt Lob auf breiter Front. Lateinamerika verfügt außerdem über eine Fülle von unabhängigen Fernsehsendern und eine lebhafte, wenngleich unterkapitalisierte, Presse.

Unter den Zeitungen und Fernsehsendern herrscht ein ungleich größerer Wettbewerb als in den USA. Und die Reporter Lateinamerikas sind eine unerschrockene Truppe.

Von ihnen kann man erfahren, dass das Problem in Lateinamerika weniger in der Dominierung durch westliche Medien liegt (wie Telesur behauptet), sondern vielmehr in Regierungen, die die vorhandene freie Presse missbrauchen. Sie setzen Gesetze nicht durch, unterwandern sie insgeheim und greifen sie offen an, wodurch die lokalen Medien in Bedrängnis geraten.

Die Nachrichten der vergangenen Woche geben darüber Aufschluss: In Mexiko erzwangen mit der PRI-Partei verbundene gewerkschaftliche Schläger nach einer langen Periode der Drangsalierung durch die Kommunalverwaltung die Schließung einer Zeitung in Oaxaca, was zu starken Protesten führte. In Haiti wurde eine Woche zuvor ein Top-Journalist in Port-au-Prince erschossen, ein Opfer der Überreste des verbrecherischen Aristide-Regimes.

Und im Venezuela Telesurs wurde in dieser Woche der unabhängige Fernsehsender Globovisión wegen 20 „Verletzungen" von Chávez' Verfassung vor das Oberste Gericht gebracht. Chávez hasst den Sender so sehr, dass er seine revolutionären „Bolivarianer" beauftragt hat, einschüchternde Nachrichten gegen den Sender auf Mauern in Caracas zu schreiben. Einer der Nachrichtensprecher von Globovisión erhielt Drohanrufe, weil er für Venezuela nicht die Bezeichnung „Bolivarisch" verwendet hatte, Chávez' Lieblingsausdruck für das Land.

Die Mitarbeiter von Globovisión können sich noch glücklich schätzen. Vor einigen Wochen wurde ein anderer Reporter, der zu viele Fragen über einen venezolanischen Staatsbetrieb gestellt hatte, mit einer als „kolumbianische Krawatte" bekannten Technik fast geköpft. Seine Mörder sind noch auf freiem Fuß und es wird vermutet, dass sie mit der Regierung in Verbindung stehen.

Der Angriff auf die echte Presse Venezuelas ist so systematisch, dass der Kongress der USA mit einer unerwartet breiten, überparteilichen Mehrheit einen von Mack initiierten Beschluss verabschiedete, durch den die Einrichtung von Radio Free Venezuela bewilligt wurde, um der erwarteten Schließung der [venezolanischen] Presse durch Chávez entgegenzuwirken.

Hierin liegt vielleicht ein weiterer Grund für die Einführung von Telesur. Was Lateinamerika braucht, sind strenge Gesetze zum Schutz unabhängiger Medien und eine Wirtschaft, um sie zu unterstützen. Stattdessen bekommt Lateinamerika den staatlich finanzierten Sender Telesur, während Chávez weitere Schritte unternimmt, um die venezolanische Presse zu vernichten und seine Nachbarn einzuschüchtern. „Al-Dschasira" ist eben nicht, was der Kontinent braucht. [Übersetzung von John E.]



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